Bergmannsverein Erfurt e.V. Sandsteingewinnung

Ein über mehr als ein Jahrtausend genutztes Sandsteinvorkommen ist das am Seeberg bei Gotha. Die Wartburg, der Deutsche Reichstag und das Brandenburger Tor in Berlin sowie viele weitere bekannte Bauwerke in Deutschland wurden aus diesem Sandstein errichtet.



Kammerbruch am Großen Seeberg
Der Kleine und Große Seeberg, östlich von Gotha, entstanden im Zuge der Eichenberg-Gotha-Arnstadt-Saalfelder Verwerfungslinie. Während die Muschelkalkschichten aus dem allgemeinen Niveau herausgehoben wurden, geht die geologische Entwicklung des Rhäte auf einen Grabenbruch zurück, in dem die Formation zunächst mehrere hundert Meter tief versunken waren und dann im Verlauf von Millionen Jahren wieder durch exogene Kräfte herausmodelliert wurden. Diese als Reliefumkehr bezeichnete Erscheinung führte dazu, dass eine bis zu 47 m mächtige Rhätesandsteinkuppe die darunter liegende Sedimentenfolge des Keupers bedeckt.

Rhäte ist die oberste und erdgeschichtlich jüngste Bildung der Abteilung Keuper. Der Sandstein wird nach den Rhätischen Alpen (Schweiz) benannt, wo er großflächig vorkommt.

Rhätesandstein wurde auf dem Großen Seeberg als Baumaterial bereits seit dem frühen Mittelalter abgebaut. Kleine Steinbrüche und auch die so genannten "Sandgruben" am Nordhang zeugen von dem früher zunächst noch ungeordnet betriebenen Abbau.

Nicht nur für Bauzwecke, Mühl- und Schleifsteine wurde das Material gebraucht, sondern auch als Putzsand zum Scheuern der Dielen und des Hausgeschirres. Seit Jahrhunderten wurden gerade diese Steine bevorzugt in exklusiven Landhäusern, Schlössern und Kirchen verwendet, da sie vor allem durch eine vornehm zurückhaltende, puristische Ausstrahlung überzeugen.



Güntherslebener Bruch am Großen Seeberg
Nachdem der Sandsteinabbau am Seeberg Mitte des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde, werden seit 1996 wieder ein Steinbruch östlich des Maikopfes und der Kammerbruch betrieben.

Die Massenrohstoffe sowie die Werks- und Dekosteine zählten infolge des Einigungsvertrages bis zur Vereinheitlichung der Rechtsverhältnisse bei Bodenschätzen am 15. April 1996 zu den bergfreien Bodenschätzen. Für beide Sandsteinbrüche wurden daher auf Antrag von zwei Firmen jeweils Bewilligungen nach § 8 BBergG für Gesteine zur Herstellung von Werk- und Dekosteinen erteilt.

Zur Gewinnung der Sandsteinschicht wird die Überdeckung abgetragen und die anstehenden Blöcke unterschiedlichsten Volumens mittels Lader aufgenommen und per LKW abtransportiert.

Heute ist Rhäte als Baumaterial wieder sehr begehrt, in erster Linie für Restaurationszwecke, aber auch zur Gestaltung von Fassaden und als Fußbodenbelag.

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