Bergmannsverein Erfurt e.V. Gipsgewinnung

Die in Thüringen vorliegenden Anhydrit-(CaSO4)-Lagerstätten sind Sulfatgesteine, welche vor 225 Mio. bis 250 Mio. Jahren im Oberperm (Zechstein) als Ablagerung im flachen Meer entstanden sind. Oberflächennah geht das Gestein auf Grund des Einwirkens von Oberflächenwassers und der einhergehenden Hydratisierung in Gips (CaSO4 x 2H2O) über.

Durch die Heraushebung der Gebirge Harz, Thüringer Wald und Kyffhäuser wurden die Schichten infolge tektonischer Prozesse an deren Rändern an die Oberfläche gedrückt. Besonders lagerstättenhöffig ist der Zechsteingürtel am Südharz und am südlichen Beckenrand (Orlasenke) ausgebildet. Dabei ist der Anhydrit in Abhängigkeit der Wasserwegsamkeit unterschiedlich vergipst. Besonders mächtig ist der Gips über den Anhydrit an den Hängen ausgebildet.

Gegenstand des Gips- und Anhydritabbaus sind die Lagerstätten im Gipskarstgebiet des Südharzes im Tagebau und im Saale-Orla-Kreis der Gips im Tagebau und der Anhydrit im Tiefbau.

Über Jahrhunderte werden im Zechsteingürtel des Südharzes Gips und Anhydrit abgebaut. Wurde einst der Gips nur zu Bauzwecken verwendet, änderten sich mit dem Zeitalter der industriellen Revolution die Verwendungsmöglichkeiten. Heute werden Spezialgipse für viele kosmetische, medizinische und technische Produkte benötigt. Wegen seines neutralen ph-Wertes wird der Gips auch bei der Herstellung von Lacken, Leimen und Farben verwendet. Besonders wichtig sind Spezialgipse als Formgips in der Keramik- und Ziegelindustrie.

Ein wichtiges Vorkommen von Gips befindet sich heute z. B. am Westhang des Krebsbachtales bei Rottleberode. Die Gipsvorkommen gehören der Zechsteinformation an. Sie sind durch Wasseraufnahme aus primären Anhydritvorkommen entstanden und bilden am Hang und an der Oberfläche eine unterschiedliche Gipsrinde. Es sind drei verschiedene Gipshorizonte zu unterscheiden, der Gips des Werraanhydrits, der Gips des Sangerhäuser Anhydrits und der Gips des Hauptanhydrits. Während der vergipste Werraanhydrit an einigen Stellen nur wenige Meter über die Talsohle der Tyra aufragt, sind aufwärts am Hang zunächst der Sangerhäuser-Anhydrit-Gips und im obersten Bereich der Hauptanhydrit-Gips vorzufinden. Die beiden 40 m mächtigen Gipshorizonte sind durch eine etwa 10 m mächtige Lage von grauem Tongestein getrennt. Die im Gips auftretenden, karbonatischen Verunreinigungen sind im massigen Gestein wolkig verteilt oder in dünnen Streifenlagen angeordnet. Im oberen Hauptanhydrit-Gips treten Verunreinigungen in Form netzförmiger Durchörterungen auf. Rotbraune Tone-, Schluffe- und Feinsandsteine überlagern den oberen Gipshorizont.

Seit 1919 wird der Tagebau betrieben, der auf Thüringer Gebiet liegt. Zu DDR-Zeiten stand die Gipsgewinnung unter Bergrecht. Das 1990 neu vergebene Bergwerkseigentum für die Gipslagerstätte hat Bestandsschutz, so dass heute die Gipsgewinnung dem Bergrecht unterliegt und der Bodenschatz unabhängig des Eigentums an den Grundstücken abgebaut werden kann. Die Verarbeitungsanlagen und die Verladung befinden sich auf dem Territorium von Sachsen-Anhalt.

Nach dem Beräumen der Überdeckung wird der Gips heute mittels Bohr- und Sprengtechnik gewonnen. Die Strossenhöhe im Tagebau erreicht dabei Höhen von bis zu 25 m. Mittels Radschaufellader und LKW wird der gewonnene Gips durch eine Brecheranlage auf die entsprechenden Korngrößen für deren Verarbeitung gebrochen. Bis zur Jahrtausendwende wurden rund 19. Mio. t abgebaut. Die Vorräte reichen voraussichtlich noch mal für 30 bis 40 Jahre.

Nach der Ausbeutung der Lagerstätte ist die Wiederaufforstung zu 80 % der in Anspruch genommen Fläche geplant, da diese schon vorher forstwirtschaftlich genutzt wurden. Es wird dabei eine naturnahe Laubwaldgesellschaft angestrebt. Schon renaturierte Flächen, die im Wesentlichen dem Relief des Landschaftsbildes angepasst wurden, zeigen, dass die Ansiedlung von gefährdeten Pflanzenarten der Karstlandschaft als auch neue Pflanzen möglich ist. Auch einige Vogelarten profitieren von den neuen Standorten, der Uhu z. B. nutzt die entstandenen Steilwände.

Waren zur DDR-Zeit mehr als 500 Mitarbeiter mit der Gewinnung und Verarbeitung am Standort Rottleberode beschäftigt, sind es heute nur noch rund 100 Beschäftigte. Diese gewinnen und verarbeiten jedoch rund 2/3 der gesamten Gipsproduktion im Freistaat Thüringen.

Weitere Gewinnungsstätte für Gips im Südharz sind der Kohnstein bei Niedersachswerfen, die Hohe Schleife bei Woffleben, Rüsselsee bei Appenrode, und der Röseberg bei Branderode. Außerdem wird Anhydrit an den Ellricher Klippen bei Ellrich abgebaut.

Im Freistaat Thüringen werden jährlich rund 600.000 t Gips und rund 230.000 t Anhydrit gewonnen. In der Bundesrepublik Deutschland werden außerdem in Bayern und Baden Württemberg jeweils jährlich rund 1 Mio. t Sulfatgesteine abgebaut.

Die gesetzliche Einführung der Rauchgasentschwefelung im Juni 1983 bei Kohlekraftwerken (Großfeuerungsverordnung) führte dazu, dass heute eine große Menge an REA-Gips anfällt. Deren Qualität entspricht aber nicht ganz dem Naturgips. Jedoch führten Forschungen dazu, dass heute rund 7,5 Mio. t REA-Gips, der bei der Verstromung aus Kohlekraftwerken anfällt, in der Bauindustrie Anwendung findet. Dadurch werden erhebliche natürliche Ressourcen geschont, so auch die Lagerstätten im Südharz. Gleichwohl bedarf es aber der weiteren Gewinnung von Naturgips, um den heutigen Qualitätsanforderungen der einzelnen Industriezweige gerecht zu werden.

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