Bergmannsverein Erfurt e.V. Sand- und Kiesgewinnung

Die "Erfurter Seen" sind in vielerlei Hinsicht interessant, von der Entstehung der Kieslagerstätten über die Landnutzung, die bergbauliche Nutzung und die nachfolgende Nutzung bis hin zu den sich ansiedelnden Pflanzen- und Tierarten.

Die geologischen Verhältnisse des Flusses der Gera-Niederung werden durch weichseleiszeitlichen Niederterrassenschotter der Gera bestimmt. Sie bedecken den größten Teil des Gebietes und werden in mehreren bergbaulichen Berechtigungsfeldern wirtschaftlich genutzt.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren die bis dahin aufgeschlossenen Kieslagerstätten in Erfurt fast ausgebeutet. Es wurden durchschnittlich 400.000 t bis 500.000 t Kiessand pro Jahr gewonnen.

Zu dieser Zeit hatte die DDR ein Erkundungsprogramm nach weiteren Rohstofflagerstätten aufgelegt, in dessen Rahmen auch Untersuchungen nach Massenrohstoffen für die Steine- und Erdenindustrie durchgeführt wurden. Ein umfangreiches aufgelegtes Bohrprogramm um Stotternheim erbrachte Gewissheit über die Bauwürdigkeit dieser Kieslagerstätte.

Die geologischen Untersuchungen wiesen nördlich von Erfurt in den Gera-Auen ausreichend mächtige und qualitativ hochwertige Kiessandlagerstätten nach. Trotz erheblicher Widerstände von Bewohnern angrenzender Orte begann an dem heute genannten Großen Ringsee 1960 der Kiesabbau. Ein Jahr später erfolgte die Aufnahme der Kiesgewinnung am Sulzer See, sieben Jahre später, im Jahr 1970, die Kiesgewinnungsarbeiten am Stotternheimer See und weitere drei Jahre später am Klingesee. Der Luthersee wurde als bisher letzte Gewinnungsstätte 1980 in Betrieb genommen. Die Jahresproduktion aller Kieslagerstätten lag in der Mitte der 80er Jahre bei rund 3,3 Mio. t.

Alle Gewinnungsstätten wurden nach der politischen Wende privatisiert.

Zu DDR-Zeiten unterstand die Kiesgewinnung der Bergaufsicht. Mit der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 verblieben die Kiesgewinnungsstätten weiterhin unter Bergrecht. Das Gebiet der "Erfurter Seen" ist in einzelne bergbauliche Berechtigungsfelder aufgeteilt.

Für jedes dieser Felder wurden in einem nunmehr erforderlichen bergrechtlichen Rahmenbetriebsplan die Kriterien für den Kiesabbau sowie die Ziele der Wiedernutzbarmachung und Renaturierung festgeschrieben. Hierzu erarbeiteten sich die umliegenden Kommunen ein regionales Entwicklungskonzept "Erfurter Seen", das die Entwicklung der stark geprägten Region durch den Kiesabbau hin zu einem Naherholungsgebiet für die gesamte Region unter Beachtung der fortschreitenden Kiesgewinnung beinhaltet. Diese Ziele flossen im Grundansatz mit in die Rahmenbetriebspläne zum Kiesabbau ein.

Ausgangspunkt für den Umgang mit den heutigen und zukünftigen Seen war deren Einteilung in drei Kategorien Freizeit-, Landschafts- und Naturschutzsee. Auf dieser Grundlage wird es zukünftig fünf Seen geben, an denen intensive Freizeitnutzung möglich ist. Fünf weitere Seen werden als Landschaftsseen zur stillen Erholung einladen und zwei Seen sowie mehrere Kleingewässer dem Naturschutz vorbehalten sein.

Schon heute haben die Erfurter Bürger die Möglichkeit, in ihrer Freizeit an den Teilen der Seen, die für die allgemeine Bevölkerung freigegeben wurden, sich zu erholen.

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