Bergmannsverein Erfurt e.V. Revier Schmiedefeld bei Neuhaus am Rennweg

Im Thüringer Schiefergebirge, an der Südwestflanke des Schwarzburger Antiklinoriums, begann nachweislich im 17. Jahrhundert die bergmännische Gewinnung von Chamositeisenerzen des Ordoviziums bei Unterwirbach, Wittmannsgereuth und Schmiedefeld.

Die in Schmiedefeld verbreiteten Gesteine gehören zum geringen Teil der Phycodenserie, einem Teil der Gräfenthaler Serie an. Von der Phycodenserie sind die jüngsten Partien ihres obersten Schichtengliedes, des hier etwa 125 m mächtigen Phycodenquarzits, vertreten. Der Phycodenquarzit zeigt dickbankige Absonderungen bis 2 cm Mächtigkeit. Auf Grund seines Eisenkarbonatgehaltes sind diese intensiv gerötet. In seinem oberen Bereich sind nur wenige und geringmächtige Tonschieferzwischenlager enthalten. Im Hangenden des Phycodenquarzits folgt mit scharfer Grenze der untere Eisenerzhorizont der Gräfenthaler Serie, der hier an der Grenze Phycodenquarzit - Griffelschiefer liegt.

Der obere linsenförmig ausgebildete Erzhorizont erreicht Mächtigkeiten von bis zu 11 m. Der untere Eisenerzhorizont spaltet sich oberflächennah häufig in zwei Lager, wobei Mächtigkeiten von bis zu 5 m vorlagen. Die Mächtigkeit des dritten Lagers schwankt im Grubenbereich Schmiedefeld zwischen 3 m bis 8 m, ist aber mächtiger als das untere vierte Lager mit seiner relativ gleichmäßigen Mächtigkeit von 0,5 m bis 0,6 m.

Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1714. Um 1747 werden am "Venusberg" zwei Eisensteingruben beschrieben, die Grube "Vennios-Berg" und "Beschert Glück". Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wird der Bergbau wegen Absatzproblemen vorübergehend eingestellt. In den Jahren von 1803 bis 1806 werden Aktivitäten zur Wiederaufnahme des Bergbaus am Venusberg unternommen. Man hatte einen Stollen zum Wasserlösen getrieben, jedoch führten wieder Absatzprobleme und Wasserschwierigkeiten zur erneuten Einstellung. 1824 nahm man die bergmännischen Gewinnungsarbeiten immer wieder auf und betrieb sie in den nächsten Jahrzehnten mit unterschiedlichsten Intensitäten. Von 1880 bis 1948 sind keine weiteren Aktivitäten zur Eisenerzgewinnung bekannt. Am Venusberg wurde das III. und IV. Lager des unteren Eisenerzhorizontes der Gräfenthaler Serie auf etwa 500 m Länge gebaut. Der Abbau erfolgte ausschließlich über kleine Schächte mit max. 25 m Teufe.

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Bergbau am Venusberg wiederbelebt. Im Jahr 1948 wurde die Teillagerstätte Aßberg der Eisenlagerstätte Schmiedefeld durch Auffahren der "Aßbergstrecke" vorgerichtet. Man überfuhr dabei 1953 den unteren Eisenhorizont der Gräfenthaler Serie im Bereich Venusberg mit Baumächtigkeiten von im Mittel 6 m. Nach Vorrichtung des Lagers begannen 1958 die Gewinnungsarbeiten. Diese kamen 1968 auf Grund geringer Eisengehalte endgültig zum Erliegen.

Ab 1683 wurde auch Alaunschiefer abgebaut. Das bis heute bekannteste Alaunschieferbergwerk, die Grube "Morassina", befindet sich in Schmiedefeld im Schwefelloch. Als der Handelsmann CHRISTIAN GOTTLOB FREGE 1863 das Bergwerk erwarb und es "Morassina" nannte, kam die Grube zu hoher Popularität. So zeigten sich die Persönlichkeiten ALEXANDER von HUMBOLDT, HEINRICH von COTTA und JOHANN WOLFGANG von GOETHE durch einen Besuch der Grube "Morassina" an der Gewinnung als auch an dem Aufbereitungsprozess hoch interessiert. Alaunschiefer wurde unter Tage abgebaut, nach über Tage gefördert und auf Halde gekippt. In mehreren Stufen wurde dann der Alaunschiefer durch das Eindringen von Niederschlagswässern ausgelaugt. Das Endprodukt, verdünnte Schwefelsäure, wurde damals zum Gerben und Färben von Leder oder auch als Ätz- und Beizmittel genutzt.

Ein Besuch des Besucherbergwerkes Morassina in Schmiedefeld bei Neuhaus gibt Einblicke in die Bergbaugeschichte als auch über die Arbeit der Bergleute unter Tage.

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