Bergmannsverein Erfurt e.V. "Thüringer Stahlbau" Erfurt-Gispersleben 1908-1992



Förderturm Springen Schacht 3
Auf den ersten Blick erscheint diese Firma nicht so richtig etwas mit Bergbau zu tun zu haben. Jedoch wurde gerade auf Grund des Zuschnittes der Produktpalette dieser Firma, ein nicht unwesentlicher Anteil von Bergbauanlagen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hergestellt.

1898 gründete ERNST PFEIFER eine Firma für Eisenhoch- und Brückenbauten in der Weimarischen Straße. Jedoch zog die Firma schon 1908 nach Gispersleben um. Die stetig wachsenden Aufträge und die damit stärker werdende Lärmbelästigung für die Anwohner in der Weimarischen Straße machte die Suche nach einem neuen Produktionsstandort erforderlich. So erwarb die Firma einige Grundstücke mit Gleisanschluss in Gispersleben und verlagerte 1908 seinen Standort dort hin. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts realisierte die Firma erste Aufträge für den Kalibergbau.

Nach dem II. Weltkrieg wurde die Firma bis zum 1. März 1947 als Sowjetischer AG-Betrieb, dann als Landesbetrieb als VEB "Thüringer Stahlbau" geführt und letztendlich im Jahr 1948 in die Vereinigung Volkseigener Betriebe "Ausrüstung für Bergbau und Schwerindustrie" eingegliedert. Nunmehr begann der Betrieb im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten Bergbauanlagen für die Kaliindustrie als auch für den Kupferbergbau im Mansfelder Revier zu bauen. So entstand in dieser Zeit das 54 m hohe Schachtfördergerüst für den Kupferschieferbergbau in Sangerhausen.




Förderturm Thomas Münzer Schacht Sangerhausen, 54 m hoch

Fördergesrüst Niederröblingen

Abteufgerüst mit Bohranlage Kaliwerk Zielitz
Weiterhin wurden für den Kalibergbau das Kesselhaus in Merkers sowie das Lösehaus und die Vakuumstation für das Kaliwerk Sondershausen gebaut. In den späteren Jahren folgten die Schachtfördergerüste für den Kupferbergbau in Niederröblingen und Nienstedt als auch die Abteufanlage für den Neuaufschluss der Kaligrube "Zielitz" bei Magdeburg. Es folgten weitere Schachtfördergerüste, denn die Firma hatte sich mittlerweile auf solche Bergbauanlagen spezialisiert.

Mit der Unterstellung der Firma zum VEB TAKRAF im Jahr 1964, änderte sich auch die Produktionspalette. Der Betrieb stellte überwiegend Baugruppen für Schaufelradbagger und Abbauförderbrücken einschließlich der notwendigen Maschinenausrüstungen für die Braunkohlengewinnung im Großtagebau her. Viele dieser Anlagenteile wurden nach der Sowjetunion, Ungarn, Bulgarien, Rumänien aber auch nach Griechenland und Jugoslawien exportiert. So wurden z. B. die Braunkohlenförderbrücke für den Tagebau Nochten bei Weißwasser und der Schaufelradbagger RS 2000 in der Zeit von 1981 bis 1985 gefertigt.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das Kombinat TAKRAFT entflochten und einzelne Betriebe, so auch das Betriebsgelände der "Thüringer Stahlbau" Erfurt-Gispersleben an drei interessierte Investoren durch die Treuhand Berlin verkauft.

Am 31. Dezember 1992 stellte der Betrieb seine über hundertjährige Tätigkeit ein.



Schaufelradbagger SRs 2000, die statischen Elemente wurden dazu vom "Thüringer Stahlbau" Erfurt-Gispersleben hergestellt; Bilder Bildersammlung Bock, Gispersleben


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