Bergmannsverein Erfurt e.V. Revier Altenburg - Meuselwitz/Rositz

Das Altenburger Land ist eine der Wiegen des mitteldeutschen Braunkohlenabbaus und hatte eine Schlüsselstellung für die Industrieentwicklung Mitteldeutschlands inne.

Geologisch gehört das Revier zum Weißelsterbecken und liegt in dessen südlichstem Bereich. Abbaugegenstand waren drei Braunkohlenflöze, das 7 m bis 15 m mächtige Thüringer Hauptflöz (Flöz III) im Süden von Altenburg und im Kernbereich, Meuselwitz/Rositz, das Bornaer Hauptflöz (Flöz II) sowie das sächsisch-thüringische Unterflöz (Flöz I) im Norden bei Haselbach an der Grenze zu Sachsen. Die Flöze fallen flach in nördlicher Richtung ein, teilweise treten subrosionsbedingt (Zechstein im Liegenden) Flözanschwellungen im Bereich von Kessellagen von 20 m bis 30 m auf (Tagebaue Haselbach und Schleenhain).

Im Jahr 1671 wurden die ersten Schächte für den Braunkohlenabbau im heutigen Stadtgebiet von Meuselwitz abgeteuft. Aus dem zum Abbau vorgesehenen, unreinen, stark mit Schwefel durchsetzten Oberflöz sollte neben Kohle auch Schwefelvitriol und Alaun gewonnen werden. 1677 ging das erste Bergwerk mangels Akzeptanz der gewonnenen Braunkohle für die Verbrennung in der Bevölkerung und mangels bergmännischer Erfahrungen wieder ein.

Ab dem Jahr 1739 erfolgte die erste Herstellung von Handstreichsteinen zur Brennstoffversorgung von Haushalten durch ein Braunkohlenbergwerk in der Stadt Altenburg.

In der ersten Periode von 1670 bis 1806 kann man von einem Abbau im Sinne eines Bergbaus nicht sprechen, sondern nur von gelegentlichen unpraktischen und unergiebigen Gräbereien am Rande des ausstreichenden Braunkohlenflözes.

Infolge der Verteuerung von Brennholz wurden ab dem Jahr 1806 bei Meuselwitz und Rositz viele Braunkohlengruben eröffnet. Der erste wirkliche Abbau begann 1838 durch Bauern, die auf ihren Grundstücken nach der Braunkohle in 37 Tagebauen und 19 Tiefbauen gruben. Dabei waren die Gewinnungsarbeiten mit dem Beginn des Abbaus durch das Abteufen von Schächten und dem damit verbundenen starken Wasserzufluss in den daraus aufgefahrenen Stollen sowie fehlender bergmännischer Kenntnisse und Finanzmittel zum Teil nur mit mäßigem wirtschaftlichem Erfolg gekrönt. Zahlreiche Rückschläge mussten durch einzelne Betreiber von Kohlegruben hingenommen werden. Der Abbau geschah auf höchst willkürliche Weise, also planlos und so blieb an manchen Stellen bis zu 60 % Kohle liegen. Die Schächte, die mitten in den Grubenfeldern lagen, wurden beliebig verlassen und an andere Stelle verlagert. Die Zimmerung war dann meistens morsch und verfault. Um diese Überstände zu beseitigen gab der Berginspektor WOHLFARTH 1865 gesetzliche Bestimmungen heraus, die die Sicherheit und einen geordneten Abbau der Kohle gewährleisten sollten. Die Anzahl der Gruben war mittlerweile auf 80 angestiegen.

Erst nach der Übernahme der Kohlegruben von den Grundstücksbesitzern durch finanzkräftige Aktienkapitalgesellschaften in der Zeit von 1865 bis 1871 konnte sich der Braunkohlenbergbau besser entwickeln. Mit Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges 1871 erfuhr der Braunkohlenbergbau, insbesondere mit der Eröffnung der Bahnlinie Altenburg-Meuselwitz-Zeitz am 18. Juni 1872, später bis nach Leipzig und Gera, einen Aufschwung, da neue Absatzmärkte erschlossen werden konnten.

1873 erfolgte die Einführung der Brikettierung durch den Einsatz von Brikettpressen. Damit wurde die Nasspresssteinproduktion abgelöst. Im Jahr 1875 nahm die am längsten betriebene Braunkohlentiefbaugrube Nr. 113 ihren Betrieb auf. Sie stellte die untertägigen Gewinnungsarbeiten erst im Jahr 1957 ein.

Von 1873 bis 1881 wurde der Aufbau von Großschachtanlagen und Brikettfabriken durch 13 Aktiengesellschaften betrieben, was eine massive Zuwanderung von Arbeitskräften zur Folge hatte. Die Braunkohlenförderung konnte so auf eine Jahresleistung von rund 750.000 t gesteigert werden.

Da viele Betriebe inzwischen ihre Feuerungsanlagen auf Braunkohlenbriketts umstellten entstanden neue Abnehmer in den folgenden Jahren, so dass zur Jahrhundertwende die Jahresförderleistung von 5 Mio. t jährlich überschritten wurde.

Ab 1900 ging man durch den technischen Fortschritt über zum Braunkohlenabbau im Großtagebau, parallel zum weiterhin betriebenen mehrsöhligen untertägigen Abbau. Die Steigerung der Braunkohlengewinnung nahm weiter stetig zu, besonders auch durch deren Verwendung in der chemischen Industrie sowie durch den erhöhten Energiebedarf der Rüstungs- und Kriegsproduktion. So begann man im Jahr 1917 großindustriell mit der Karbonchemie am Standort Rositz. Ab 1909 erfolgte ein weiteres Konzentrationsstreben im Braunkohlenabbau, der 1937 seinen Abschluss fand. Der Aufbau von Brikettfabriken der 2. Generation in Kombination mit Industriekraftwerken wie in Rositz und Zechau erfolgte ab dem Jahr 1920.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges wurden alle Betriebe in Volkseigentum überführt, deren Produktion zunächst nicht die Zahlen von 1945 erreichten. Jedoch konnte in den folgenden Jahren die Rohbraunkohlenförderung bis Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts gesteigert werden und wurde dann rückläufig wegen Erschöpfung der Lagerstätte. Im Jahr 1960 wurde die letzte Gewinnung der Braunkohle im Tiefbau auf dem "Eugen-Schacht" in Großröda eingestellt. Die Schachtröhren der saigeren Förder-, Wasserhaltungs- und Wetterschächte des untertägigen Braunkohlenabbaus waren zwischen 20 m und bis zu 70 m tief.

1955 erfolgte der Tagebauaufschluss Haselbach. Nachdem insgesamt 126 Mio. t Rohbraunkohle gefördert wurden, endete 1977, genau nach 300 Jahren, der Braunkohlenabbau im damaligen Kreis Altenburg.

1989 waren noch fünf Brikettfabriken an ehemaligen Braunkohlenabbaustandorten im Altenburger Land in Betrieb, die über ein umfangreiches Netz an Grubenbahnen mit Rohbraunkohle aus dem angrenzenden Gebiet im heutigen Sachsen versorgt wurden.

Die mit der politischen Wende 1990 neu gegebenen Brennstoffalternativen führten zur raschen Schließung der größtenteils hoffnungslos verschlissenen Fabriken. Hinzu kam die lagerstättenbedingte schwefelreiche mitteldeutsche Braunkohle, die auf dem Brikettsektor besonders schwer abzusetzen war. Durch die Entwicklung des "Additivbriketts" 1994, einer Beimischung von Anthrazit (Steinkohle) und Kalk zur Verbesserung der Brenneigenschaften und der Schadstoffbindung in der Asche wurde die Ära der Brikettherstellung nur noch kurz aufgehalten. Allein die Brikettfabrik "Phönix", der neu gegründeten MIBRAG mbH, führte bis Juni 2000 diese Art der Veredelung von Braunkohle in Thüringen weiter.

Mittlerweile sind die ehemaligen Landmarken der imposanten Werksanlagen, der sog. "Brikettschlösser", durch die Sanierungstätigkeit der durch den Bund und die Länder finanzierten LMBV mbH verschwunden. Nach dem Abriss der Brikettfabrik "Phönix" in Mumsdorf im Jahr 2007 erinnert nichts mehr in Thüringen an diese ehemals landschaftsprägende Industrie.

Der mittlere untere Heizwert der im Tertiär entstandenen Braunkohle liegt bei 5300-6000 kcal/kg. Zwischen 1800 und 1977 wurden im Altenburger Land in etwa 480 Mio. t Kohle gefördert. Davon entfallen auf den Braunkohlentiefbau ca. 130 Mio. t, auf den Tagebau ca. 350 Mio. t. Für den Tagebaubetrieb selbst kann bei Kohle-Abraumverhältnissen zwischen 1:3 und 1:5 nochmals von über 1,2 Mrd. t bewegtem Deckgebirge ausgegangen werden.

Vorräte an abbauwürdiger Braunkohle sind aber noch vorhanden. Diese wurden über Jahrzehnte in der DDR als "Staatsreserve" deklariert.

Brikettherstellung



Brikettstempel
Die Herstellung von Braunkohlenbriketts begann im Altenburger Land 1873 mit der Aufstellung der ersten Brikettpresse auf der Braunkohlengrube Nr. 16 im heutigen Rositzer Ortsteil Gorma. Das Brikett löste die bis zu diesem Zeitpunkt für den Hausbrand verwendeten Nasspresssteine oder Streichziegel ab, die bis dahin in aufwendiger Kleinarbeit anfangs durch Tagelöhner und auch Frauen und Kinder hergestellt wurden.






Beschriftungsmaschine
Voraussetzung für den Erfolg und rasanten Aufstieg der Brikettfabrikation ab 1870 war die Erfindung der "Exterpresse" durch den bayerischen Postrat CARL EXTER (1816 bis 1870), der auch als Maschinenmeister, Mechaniker und Ingenieur tätig war. Seine Erfindung war die erste Maschine zur thermisch-mechanischen, bindemittellosen Brikettierung von Braunkohle und war ursprünglich zum Pressen von Torf vorgesehen.

Entscheidend für den frühen Beginn der Brikettierung im Meuselwitz-Rositzer Revier war aber auch die Entwicklung des "Jacobi-Trockners" durch den Konstrukteur ROBERT G. H. JACOBI (1828 bis 1885) in der Zeitzer Eisengießerei und Maschinenbau AG (ZEMAG) im benachbarten Zeitz-Weißenfelser-Braunkohlenrevier. Dieser erste gebrauchsfähige Trockner für Rohbraunkohle war auch ausschlaggebend für den Bau der ersten Brikettpressenserie der ZEMAG Zeitz 1872/73. Das Unternehmen selbst war bis 1990, zuletzt als VEB ZEMAG, Marktführer bzw. später zuständig für die Herstellung und Wartung von Brikettpressen in Mitteldeutschland, nach 1945 in der DDR und in Osteuropa.


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